Geschichte der Schule

Die Anfänge der Carl-von-Weinberg-Mittelschule

Die Anfänge der Carl-von-Weinberg-Mittelschule reichen zurück in die wechselvolle Geschichte des Dorfes Schwanheim, die hier nur auszugsweise und insoweit behandelt werden kann als sich daraus Bezüge zur Gründung einer Mittelschule in Schwanheim herstellen lassen .

Das Dorf Schwanheim gehörte bis 1598 zum Erzbistum-Mainz und fiel ab 1803 an das Herzogtum Nassau (mit der HauptstadtWiesbaden). 1815 wurden im Herzogtum Nassau 28 Justiz- und Verwaltungsämter eingerichtet. Eines dieser Verwaltungsämter war das Amt Höchst, zu dem das Dorf Schwanheim als Landbezirk gehörte. Infolgedessen wurde auch die gesamte Schulaufsicht über die Schwanheimer Volksschule vom Herzogtum Nasssau ausgeübt Als Schwanheim im Jahre 1928 eingemeindet wurde, ging die Schulaufsicht an die Stadt Frankfurt über. Die von dem Schultheißen des Dorfes Schwanheim geführten Gemeindeakten gingen an das Frankfurter Stadtarchiv über.  Seit 1966 befinden sie sich im Schwanheimer Heimatmuseum.

Die Bevölkerung des Dorfes Schwanheim bestand zunächst aus Bauern (Bauernadel); ab 1720 zogen Bildhauer und Vergolder zu und viele „Leiner“,  dh. Männer, die die Schiffe entlang des Mainufers an Leinen treidelten. Mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert zogen Fabrikarbeiter, aber auch Personen des „bürgerlichen Mittelstandes“ - Kaufleute, Beamte, Betriebsleiter („gehobene Arbeiter“) nach Schwanheim.

Für sie gab es in Schwanheim bis 1920 kein weiterführendes Bildungsangebot. Es blieb auch weitgehend der Weg an die Frankfurter Schulen verschlossen, da Schwanheim zu Höchst gehörte. Der Schulweg nach Höchst aber war mühsam, gab es doch damals zwischen Höchst und Schwanheim nur eine Fährverbindung, aber keine Brücke.

In dieser misslichen Lage kam es den Schwanheimern zugute, dass Herr Rektor Sack die Schwanheimer Volksschule leitete. Er war im Lehrerseminar Fulda und durch sein Studium in Frankfurt am Main nicht nur zum Volkschullehrer ausgebildet worden, sondern besaß auch die Lehrbefähigung für die Mittelschule. Nach seiner ersten Anstellung in Fritzlar im Jahre 1900 unterrichtete er in Hadamar und dann in Fechenheim und an der Holbein-Schule. Im Jahre 1918 wurde er als Rektor der Volksschule nach Schwanheim berufen und erfreute sich allseitiger Wertschätzung als engagierter Pädagoge und Schulleiter. Mit Carl von Weinberg war er persönlich bekannt.

Als Rektor Sack anregte, versuchsweise “Aufbauklassen“ mit Mittelschulangebot an der Schwanheimer Volksschule einzurichten (mit dem Unterrichtsangebot in Französisch und Englisch), fand er zunächst bei der Schwanheimer Bevölkerung wenig Gegenliebe, jedoch förderten einflussreiche Schwanheimer Bürger sein Vorhaben, vor allem August Gräser, der Kaufmann Leopold Heuser und Bürgermeister Josef Esser und auch die Familien von Weinberg. So wurde zu Ostern 1921 die erste Mittelschul-Aufbauklasse in Schwanheim mit  „22-Knaben und 9 Mädchen“ eingerichtet.

Diese Einrichtung erwies sich als so erfolgreich, dass  in den Jahren 1922 bis 1924 zwei Aufbauklassen zustande kamen.

Schwierig war es, die zum Unterricht an der Mittelschule ausgebildeten Lehrer zu erhalten. So halfen zunächst Volksschullehrer mit entsprechender Fortbildung beim Unterrichten aus. Besonders problematisch war die Berufung der ersten Französisch-Lehrerin Elisabeth Pillen als neue Mittelschullehrerin an die Schwanheimer Mittelschule. Wer sollte sie bezahlen ?

Am 1.4.1925 beschloss die Gemeinde Schwanheim die Umwandlung der Aufbauklassen in eine Mittelschule, doch ging der Streit um die finanziellen Zuwendungen seitens des Herzogtums Nassau bis 1926 hin und her, sodass die Gemeindeverwaltung die Jahre 1925 bis 1927 als „die schwersten für das Schwanheimer Schulwesen“ bezeichnete. Als Gebäude wurde der Mittelschule das Schulhaus der Alten Volksschule – heute Wilhelm-Kabelt-Haus- zugewiesen: In dieser drangvollen Enge wurden die Mittelschüler von Schwanheim und Goldstein noch bis zum Jahr 1961 unterrichtet, als das neue Schulgebäude in Goldstein eingeweiht werden konnte.

Nach einer nassauischen Schulvisite, die den Ausbildungsstandard der Mittelschule überprüfte und für gut befand, konnte die Schwanheimer Mittelschule als „Carl-von~Weinberg-Mittelschule in Schwanheim“ am 1. April 1927 eingeweiht werden. Wir vermuten, dass unsere Schulfahne aus dieser Zeit stammt. Zu Ehren des Consuls Carl von Weinberg, eines großen Wohltäters von Schwanheim, erhielt die Schule seinen Namen.

Finstere Zeiten:

Am 5. September 1935 wurde das Kollegium der Carl-von-Weinbergschule „auf Adolf Hitler vereidigt“, d.h. zur konsequenten Anwendung der Rassengesetze verpflichtet. Dazu gehörte der Ausschluss jüdischer Schülerinnen und Schüler von der Schule mit normalem Abgangszeugnis. Bezugnahme auf den rassistisch begründeten Erlass durfte nicht genommen werden. Im Jahre 1937 verfügte die Ortsgruppe der NSDAP zusammen mit den städtischen Behörden die Namensänderung der Schule in „Schwanheimer Mittelschule“, denn Namen „nichtarischer “ Persönlichkeiten durften für Schulen nicht mehr verwendet werden. Im Jahre 1944 wurde die gesamte Mittelschule wegen dauernder Bombenangriffe vorsorglich nach Laufdorf in Oberhessen evakuiert.

Ab Herbst 1945 fand der Unterricht wieder in Schwanheim statt – mit großer Raumnot. Der damalige Rektor Grossmann setzte in zähem jahrelangem Ringen den Schul-Neubau in Goldstein durch, der 1961 als „Mittelschule-im Grünen“ eingeweiht werden konnte. Es ist dem damals noch lebenden letzen Verwandten, dem Bankier Richard von Szjlviny zu danken, dass er an den Namen Carl von Weinberg erinnerte und die Rückkehr zum alten Schulnamen beantragte. Befürtwortet von Oberbürgermeister Bockelmann persönlich, wurde dem Antrag stattgegeben: Der Begründung des Antrages schließen wir uns erweiternd an:

„Es gab nur einen Carl von Weinberg und es gibt nur eine – unverwechselbare und wandlungsfähige – Carl-von-Weinberg-Schule in Goldstein“.

 

Zusammengestellt nach Recherchen bei den Heimat- und Geschichtsvereinen in Goldstein und

Schwanheim und nach Aktenmaterial im Frankfurter Stadtarchiv.

Klaus Kirstein (im Juli 2002)

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