Statement DOSB

 Aus der Sicht des Leistungssports ist im Zusammenhang mit der Koordination von Training und Schule eine flexible Gestaltung der Tages-, Wochen- und Jahresabläufe unumgänglich, da die Zielstellung Weltspitze bereits im Jugendalter erhebliche Anforderungen mit sich bringt. 

Einzelne Eliteschüler*innen nahmen und nehmen nicht nur bereits im Schulalter an Olympischen Spielen teil, sondern gewannen als Oberstufen-Schüler*innen sogar Goldmedaillen! 

Hierzu leisten die Eliteschulen des Sports einen hervorragenden Beitrag. In enger Abstimmung mit 

der Kommission Sport der KMK wurden und werden die Rahmenbedingungen an diesen Schulen 

„mit besonderem Auftrag“ kontinuierlich weiterentwickelt. In einer gemeinsamen Beschlussfassung von KMK, SMK und DOSB (2018) sind die zukünftigen Aufgabenstellungen und Verantwortlichkeiten fixiert. 

Wesentliche Bausteine der erfolgreichen Koordination von Schule und Leistungssport sind Flexibili- 

sierung und Individualisierung des Unterrichts. Eine wichtige Grundlage stellt hierbei die technische Ausstattung dar, also die Chance zur Digitalisierung (möglichst auf der Grundlage eines >Konzepts<). 

Es geht allerdings keinesfalls um die Reduzierung der Ansprüche! Gleiche Anforderungen werden in „ungleichen“ zeitlichen Abläufen, z. T. sogar individuell, umgesetzt. Ziel ist nicht die „Verpflichtung“ zu geänderten Abläufen, sondern die Schaffung von Optionen zur Gestaltung von verantwortbaren Gesamtbelastungen von Schüler*innen, die zusätzlich erhebliche (hier: leistungssportliche) Heraus-forderungen annehmen. 

Die Erfahrungen einer notwendigen Flexibilisierung von Schule zugunsten von leistungssportlichem Training (sowie Freistellungen für Lehrgänge und Wettkämpfe) können auch für andere Zielgruppen sehr wirkungsvoll sein und haben sich bereits an weiteren, u. a. an Musik- und Chor-Schulen ebenso bewährt. 

Eine besondere Lösung zugunsten derartiger Herausforderungen in der Oberstufe kann das additive Abitur bieten. Hierzu wurde im Land Brandenburg 2016 ein von der KMK genehmigter Schulversuch gestartet. 

Die Entzerrung der Abiturprüfungen bzw. die Erweiterung der Zeitfenster für die Abiturprüfungen stellt nicht nur eine moderne, also „mutige“(?), sondern eine sehr praxisbezogene >Abweichung< von bisherigen Abläufen dar und sollte über den Leistungssport (in Brandenburg) hinaus als eine zukunftsorientierte Option angesehen werden. 

Ziele von Schule und natürlich ebenso Ziele von Schule und Leistungssport sind auch die Persönlich-keitsentwicklung sowie die größtmögliche Unterstützung von Studier- und „Lebens“-Fähigkeit. 

Hierzu sollten auch mehr Flexibilisierung, mehr Selbstbeteiligung und ein >Mehr< an Auswahloptionen (orientiert an bzw. gerichtet auf Stärken und Schwächen des einzelnen Individuums) beitragen dürfen. 

Wir müssen gemeinsam (jeweils Verantwortungsträger UND >Betroffene< bzw. Zielgruppen) all unsere Systeme regelmäßig(er) auf den Prüfstand stellen, um diese praxistauglicher und zukunfts-fähiger zu gestalten. 

„Stillstand bedeutet (oder begünstigt) Rückschritt“, klingt zwar wie eine alte Floskel, sollte uns aber m. E. n. regelmäßig(er) zum Nachdenken und Verändern anregen. Verändern, d. h.: Verbessern, ist mitunter sogar ohne erheblichen Mittelaufwand möglich. Wir müssen >es< gemeinsam WOLLEN… 

Dr. Sven Baumgarten 

Geschäftsbereich Leistungssport 

Projektleiter Duale Karriere für Spitzensportler*innen 

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